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Gesundheitsberichterstattung für die Arztpraxis

Patienten mit psychische Störungen belasten zunehmend den Praxisalltag.

Robert Koch-Institut
10.12.2015

Der vom Robert Koch-Institut RKI veröffentlichte Bericht Gesundheit in Deutschland gibt einen fundierten Überblick über den Stand und die Entwicklung der Gesundheitsstruktur. Der Bericht ist Teil der Gesundheitsberichterstattung des Bundes, die am RKI angesiedelt ist. In der Zusammenfassung lassen sich übergreifende medizinische Entwicklungen erkennen, die für die medizinische Leistungserbringung in einer Arztpraxis von Bedeutung sind. 


Vom Erkrankungsspektrum über die Verteilung von Risikofaktoren bis hin zur Prävention und Versorgung. Die Gesundheit und Versorgung in Deutschland werden derzeit von zwei großen Entwicklungen bestimmt, dem demografischen Wandel und dem starken Einfluss der sozialen Lage auf die Gesundheit.

Etwa drei Viertel der Frauen und Männer in Deutschland bewerten ihren Gesundheitszustand als gut oder sehr gut. Das ist besonders erfreulich mit Blick auf die Lebenserwartung, die in den letzten Jahrzehnten kontinuierlich gestiegen ist. Heute geborene Mädchen können im Mittel mit 82,7, Jungen mit 77,7 Lebensjahren rechnen. In unserer alternden Bevölkerung bestimmen chronische Erkrankungen wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Krebs, muskuloskelettale Erkrankungen und Diabetes zunehmend das Krankheitsgeschehen.

Psychischen Störungen kommt heute in der Arztpraxis immer mehr Aufmerksamkeit zu. In den letzten Jahrzehnten hat es viele gesundheitliche Verbesserungen gegeben, die  je nach Krankheit in unterschiedlichem Maße auf Prävention und Früherkennung, Fortschritte in der Therapie und eine bessere Versorgung zurückzuführen sind. Chronische Erkrankungen stellen jedoch nicht nur die Betroffenen und ihre Familien, sondern auch die Arztpraxis vor große Herausforderungen.

Die wichtigsten Erkrankungen in der Niederlassung
Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Herzinfarkt und Schlaganfall sind weiterhin die häufigste Todesursache. 39,7 % aller Todesfälle gehen darauf zurück. In den letzten Jahrzehnten zeichnet sich jedoch eine positive Entwicklung ab. Sowohl bei Herzinfarkt als auch bei Schlaganfall gibt es weniger Neuerkrankungen. Auch die Sterblichkeit an Koronarer Herzkrankheit, Herzinfarkt und Schlaganfall ist deutlich zurückgegangen. Als Erklärung hierfür werden eine erfolgreiche Prävention, Fortschritte in der Therapie und eine verbesserte Versorgung im ambulanten Bereich angeführt.

Auch bei vielen Krebsarten sind Erfolge zu verzeichnen. Zwischen 2001 und 2011 kam es zwar zu einem Anstieg der Neuerkrankungen um etwa 16 Prozent, der aber maßgeblich auf den demografischen Wandel zurückzuführen ist. Für die meisten Krebsarten sind die Sterblichkeitsraten in den letzten Jahren zurückgegangen. Dies wird mit Fortschritten in der Therapie, für einige Krebsarten auch mit einer frühzeitigeren Entdeckung von Erkrankungen erklärt. Allerdings sterben heute mehr Frauen an Lungenkrebs. Krebserkrankungen sind die zweithäufigste Todesursache in Deutschland.

Sorge bereitet die weite Verbreitung von Diabetes mellitus. Bei 7,2 Prozent aller Erwachsenen zwischen 18 bis 79 Jahren ist ein Diabetes mellitus bekannt, das sind etwa 4,6 Millionen Menschen. Zwei Prozent aller Erwachsenen, ca. 1,3 Millionen Menschen, haben einen unerkannten Diabetes mellitus. Steigende Fallzahlen in den letzten Jahren können nur zum Teil durch die demografische Alterung erklärt werden.

Zumindest teilweise könnten sie auf eine verbesserte Früherkennung zurückzuführen sein, möglicherweise aber auch auf die Zunahme lebensstilbedingter Risikofaktoren, insbesondere Adipositas. Folgeerkrankungen des Diabetes, wie Erblindungen und Amputationen, gehen jedoch zurück.

Erkrankungen des Muskel und Skelettsystems gehören weiter zu den häufigsten und kostenträchtigsten Erkrankungen in Deutschland. Während Arthrose, Osteoporose und Rheumatoide Arthritis mit zunehmendem Alter häufiger auftreten, betreffen Rückenschmerzen oft schon jüngere Menschen. Muskuloskelettale Erkrankungen verursachen die meisten Arbeitsunfähigkeitstage und sind, nach psychischen Störungen, der zweithäufigste Grund für gesundheitlich bedingte Frühberentungen.

Beim Praxiskauf auf sozidemographische Faktoren achten
Besondere Aufmerksamkeit in der Arztpraxis erfordern psychische Störungen. Auf Bevölkerungsebene lässt sich bei häufigen Diagnosen wie Angststörungen und Depression kein Anstieg beobachten. Allerdings hat die Zahl der Fehltage und Frühberentungen aufgrund psychischer Störungen in den letzten 20 Jahren deutlich zugenommen. Als Gründe werden Veränderungen in der Arbeitswelt, vor allem aber auch die Enttabuisierung psychischer Krankheitsbilder und die damit verbundene verbesserte Diagnostik diskutiert.

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