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Die Rechtsform Praxisgemeinschaft für die Arztpraxis

Testlauf als Praxisgemeinschaft vor der Gründung einer Berufsausübungsgemeinschaft reduziert Streitpotential

Benjamin Feindt
20.05.2015

Die Praxisgemeinschaft ist eine Form der Zusammenarbeit im Gesundheitswesen, eine Legaldefinition des Begriffes gibt es nicht. Dabei schließen sich mindestens zwei Ärzte oder Zahnärzte zusammen, um bestimmte, elementare Dinge der medizinischen Berufsausübung, meistens Räumlichkeiten, Medizingeräte oder Personal gemeinsam zu organisieren. In § 18 der Musterverufsordnung für Ärzte ist der Zusammenschluss von Ärzten in Organisationsgemeinschaften geregelt. 

Die Berufsausübung an sich erfolgt weiter durch jeden Arzt einzeln, insbesondere werden zwei getrennte Patientenkarteien geführt und getrennt abgerechnet. Die Zusammenarbeit beschränkt sich auf die ausdrücklich vereinbarten Fachgebiete, in allen anderen Bereichen entscheidet jeder Arzt allein. Die Praxisgemeinschaft wird häufig genutzt, um die Kosten für jeden einzelnen Arzt und die Arztpraxis senken.

Der Gründungsaufwand für diese ärztliche Kooperationsform bleibt daher verhältnismäßig gering. Die Rechtsform der Praxisgemeinschaft wird meist als Gesellschaft bürgerlichen Rechts GbR angenommen, was aber keinesfalls der einzige mögliche Durchführungsweg ist. Praxisgemeinschaften können durchaus auch in anderen Rechtsformen, wie z. B. der GmbH, auftreten.

Unser Praxisbörsen Tipp: Praxisgemeinschaft als Testmodell
Auch wenn Praxisgemeinschaften oft rein ökonomisch vor dem Hintergrund von Kostendreduktion gesehen werden, können sie auch auf anderen Gebieten hilfreich sein. Wegen der verhältnismäßig lockeren Verbindung zum Partner der Praxisgemeinschaft eignet sich diese Kooperationsart, um den Arzt und dessen Partner auf die Eignung für eine später geplante, eingehendere Kooperation der Arztpraxis zu testen.

Sollte die Praxisgemeinschaft dann nicht den gewünschten Erfolg bringen, kann eine Trennung erfolgen, ohne dass ein Streitpotential beispielsweise zum Praxiswert entstehen kann. Da dieser niemals im Eigentum beider Ärzte stand, kann auch niemand an den anderen Forderungen stellen.

Gelingt die Zusammenarbeit hingegen auf zunächst kleinen Gebieten gut und baut sich hierauf eine Wertschätzung der beteiligten Partner auf, kann die Praxisgemeinschaft leicht um weitere Gebiete der Zusammenarbeit erweitert oder in eine Berufsausübungsgemeinschaft umgewandelt werden.