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Regelleistungsvolumen RLV und Praxisübernahme

Ärzte besonderer Fachrichtungen und Qualifikation können zusätzlich zum RLV noch das Qualifikationsgebundene Zusatzvolumen QZV abrechnen

Benjamin Feindt
27.05.2015

Beim Praxiskauf ist das Regelleistungsvolumen RLV für den Arzt von Bedeutung. In allen Gebieten der Kassenärztlichen Vereinigung gibt es spezielles Verfahren zur Berechnung des Regelleistungsvolumen RLV und des Qualifikationsgebundene Zusatzvolumen QZV. Dieses Verfahren wird benötigt, da es nach der Praxisübernahme keine belastbaren Vergleichswerte aus den Vorjahresquartalen zur Ermittlung gibt.  

Hierdurch soll dem Arzt beim Praxiskauf die wirtschaftliche Planung erleichtert werden. Die jeweiligen Gründungsregelungen bei der Praxisübernahme sind unbedingt vor Gründung bei der jeweiligen Kassenärztlichen Vereinigung zu erfragen.

Jeder Arzt erhält quartalsweise durch die für ihn verantwortliche KV ein Regelleistungsvolumen RLV per Bescheid zugewiesen. Dabei gilt:

RLV = Fallzahl des Vorjahresquartals x Fallwert

Einschränkend ist die Höhe der Arzt Fallzahl in Relation zu der durchschnittlichen Fallzahl der Arztgruppe zu betrachten. Die Durchschnittsfallzahl der Arztgruppe wird von der zuständigen kassenärztlichen Vereinigung berechnet und ist oft über das Internet abrufbar.

Bei einer Überschreitung dieser durchschnittlichen Fallzahl der Arztgruppe wird eine Abstaffelung der zugewiesenen Fallwerte vorgenommen (§ 87b Abs. 2 SGB V). Diese Abstaffelung tritt in Kraft, sobald die Fallzahl des betreffenden Arztes über 50 Prozent der durchschnittlichen Fallzahl seiner Arztgruppe liegt. Auch hier wird die Fallzahl nach den Werten des Vorjahresquartals des Arztes berechnet. Im schlechtesten Fall behandelt der Arzt mehr als doppelt so viele Patienten wie seine Vergleichsgruppe. Dann erhält er pro zusätzlichen Fall lediglich ein Viertel des durchschnittlichen Fallwertes.

Beispiel
Dr. med. Max Mustermann hatte im Quartal IV eine Fallzahl von 1.800. Die durchschnittliche Fallzahl seiner Arztgruppe liegt bei 800. Die Abstaffelung der Fallzahlen erfolgt nach einem vierstufigen System. Bei Erlangen der nächsthöheren Stufe sinkt die Budgetzuweisung jeweils um 25 % (§ 87b Abs. 2 SGB V).

  • Fallzahlen bis 150 % der durchschnittlichen Fallzahl einer Arztgruppe: 100 %
  • Fallzahlen zwischen 150 und 170 % der durchschnittlichen Fallzahl: 75 %
  • Fallzahlen zwischen 170 und 200 % der durchschnittlichen Fallzahl: 50 %
  • Fallzahlen ab 200 % der durchschnittlichen Fallzahl: 25 %

Wenn die Fallzahl eines Arztes über der durchschnittlichen Fallzahl der zugehörigen Arztgruppe liegt, müssen die zusätzlichen Fallzahlen in die einzelnen Prozentgruppen eingegliedert werden. Hierbei wird die durchschnittliche Fallzahl der Arztgruppe mit den Prozentwerten multipliziert. 

Ärzte besonderer Fachrichtungen und Qualifikation können zusätzlich zum RLV noch das Qualifikationsgebundene Zusatzvolumen QZV abrechnen. Auch diese werden per Bescheid durch die KV zugewiesen. Darüber hinaus gibt es auch nicht budgetierte Leistungen. Sie unterliegen keiner Mengensteuerung. Hier gilt im Wesentlichen, was der Arzt an Leistung in seiner Arztpraxis erbringt, wird auch gezahlt. Außerdem gibt es noch Möglichkeiten, sich an besonderen Versorgungskonzepten zu beteiligen, beispielsweise der Hausarztzentrierten Versorgung oder der Integrierten Versorgung.