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Flüchtlinge stärken hausärztliche Versorgung auf dem Land

Von der Überversorgung zur Unterversorgung

PD Dr. med. C. Ottomann
20.11.2015

Um zu ermessen, was Deutschland in den nächsten Jahren an Integration zu leisten hat, muss man mehr über die Menschen wissen, die hier Asyl suchen. Allein im August 2015 kamen 105.000 Migranten nach Deutschland. Mit der höheren Anzahl vorwiegend junger Flüchtlinge steigt auch der Bedarf an hausärztlicher Versorgung auf dem Land.


Fast die Hälfte, 45 Prozent, der Asylsuchendenn waren Syrer. In der Statistik folgten Afghanen mit 11 Prozent, Iraker mit 9 Prozent, Albaner mit 8 Prozent, Pakistaner mit 5 Prozent und Eritreer mit 3 Prozent. Die meisten von ihnen werden dauerhaft in Deutschland bleiben. Wer aus Bürgerkriegsgebieten geflohen ist, erhält mit hoher Wahrscheinlichkeit Asyl.

Die Altersstruktur für Praxisverkauf positiv
Die Asylbewerber sind demnach deutlich jünger als die einheimische Bevölkerung. Ein Viertel sind Kinder. Ein weiteres Viertel ist zwischen 16 und 25 Jahre alt, ein drittes Viertel zwischen 15 und 35 Jahren. Es kamen doppelt so viele Männer wie Frauen. Offenbar schicken Familien ihre belastbarsten und kräftigsten Mitglieder vor, nicht selten Jugendliche. Damit wird die Nachfrage nach hausärztlicher und pädiatrischer Versorgung und die Anzahl von Praxisübernahmen steigen.

Die Altersstruktur ist positiv. Viele Migranten sind im richtigen Alter, um sich hier eine Existenz aufzubauen. Sie werden sehr lange arbeiten, bevor sie das Rentenalter erreichen. Es wird es in den nächsten Jahren noch einen erheblichen Nachzug von Familienmitgliedern geben. Die Kinder dürfen ihre Eltern und minderjährigen Geschwister nachholen, Männer ihre Ehefrauen und Kinder. Es gibt aber Bedingungen, wer Familienmitglieder nachholt, muss über ausreichend Wohnraum verfügen und für deren Lebensunterhalt aufkommen können. Nachziehende müssen Deutschkenntnisse vorweisen.

Jeder vierte Syrer hat studiert
Wer einen Asylantrag stellt, wird auch zu Bildung und Ausbildung befragt. Das Bundesamt für Migration hat die Angaben von gut 100.000 Asylsuchenden aus dem laufenden Jahr ausgewertet. 13 Prozent haben eine Hochschule besucht, 18 Prozent ein Gymnasium, 30 Prozent waren auf einer Mittelschule, 24 Prozent nur auf einer Grundschule und acht Prozent verfügen über gar keine Schulbildung. Knapp die Hälfte gab an, aus guten oder durchschnittlichen wirtschaftlichen Verhältnissen zu stammen.

Syrer haben ein deutlich höheres Bildungsniveau. Hier gaben mehr als 60 Prozent an, dass sie aus durchschnittlichen oder sogar guten wirtschaftlichen Verhältnissen stammen. Ein Viertel hat studiert, ein weiteres Viertel war auf dem Gymnasium, ein Viertel auf der Mittelschule und 17 Prozent lediglich auf der Grundschule. Für andere Herkunftsländer gibt es solche Einzelauswertungen noch nicht.

Wie wirkt sich die Migration auf die hausärztliche Versorgung auf dem Land aus? Da die Residenzpflicht eingeführt wird, wird es zu einer deutlichen Steigerung des medizinischen Versorgungsauftrages auf dem Land kommen. Praxisabgaben, die bisher in überversorgten Gebieten lagen, werden damit leichter.

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