Zurück zum Magazin

Praxisübernahme: Hohe Investitionen, zunehmende Unsicherheit

Hohe Hürden für junge Ärzte auf dem Weg zum Praxiskauf.

Dr. Cem Meric
18.12.2016

Bereits heute fehlt in Deutschland medizinischer Nachwuchs. Gerade Hausärzten und Fachärzten der vor Ort so notwendigen Grundversorgung, unter anderem Augenärzte, Orthopäden, Frauenärzte u.a., in fällt es ländlichen Gegenden zunehmend schwer, einen Praxisnachfolger zu finden. Statt junge Ärzte zum Praxiskauf zu motivieren, sorgt das neue Versorgungsstärkungsgesetz für Unsicherheit.


Sechsstellige Investitionen, hohe Kredite beim Arztpraxis Erwerb

Bereits heute haben junge Ärzte Bedenken, finanzielle Risiken einzugehen und eine eigene Praxis zu kaufen. Mit dem neuen Versorgungsstärkungsgesetz wächst die Unsicherheit: Was ist im Falle eines Umzugs, bei Berufsunfähigkeit oder beim Übergang in den Ruhestand?

Verbietet mir der Gesetzgeber dem Arzt dann einen Nachfolger zu suchen? Dabei ist der Praxisverkauf für selbständige niedergelassene Ärzte ein wichtiger Teil der Altersvorsorge. Laut Berechnungen der Apobank zahlen Hausärzte bei Übernahme einer Einzelpraxis im bundesweiten Durchschnitt 115.000 Euro.

Für eine Facharztpraxis mit moderner Gerätemedizin werden deutlich höhere Summen fällig. So kostet eine orthopädische Einzelpraxis in Westdeutschland im Schnitt 354.000 Euro, eine Frauenarztpraxis in Westdeutschland schlägt durchschnittlich mit 195.000 Euro zu Buche. Was aus diesen Investitionen wird ist unklar, wenn die Praxis später nicht an einen Praxisnachfolger verkauft werden kann.

Garantierter Facharzttermin
Ein garantierter Facharzttermin innerhalb von vier Wochen, das klingt zunächst patientenfreundlich. Zur Abwicklung haben die Kassenärztlichen Vereinigungen eine neue Terminvergabestelle geschaffen, die Anrufern den nächsten freien Slot in einer Praxis zuweist und damit an einen Arzt, der im Zweifel schwer erreichbar ist und den Patienten gar nicht dauerhaft betreuen kann.

Dabei legen Patienten viel Wert auf einen Wunschtermin und ihren Wunscharzt. Oft haben Patienten auch einen festen Ansprechpartner, zu dem sie bereits Vertrauen aufgebaut haben. Die zentrale Terminvergabe kann diese Wünsche nicht berücksichtigen. Ihre Vorteile bleiben dagegen unklar. Im internationalen Vergleich sind die Wartezeiten auf einen Facharzttermin in Ländern mit zentraler Terminvergabe durchschnittlich länger als in Deutschland.

Drei Viertel der Patienten, die an einen Facharzt überwiesen werden müssen, haben einen Wunscharzt, sie möchten einen Termin bei einem bestimmten Experten und nicht in irgendeiner Praxis. Das zeigen die Ergebnisse der Versichertenbefragung 2016, für die mehr als 6.000 Menschen interviewt wurden.  

Wartezeiten auf den Arzttermin
Zugleich zeigt die Befragung, dass nur wenige die Wartezeiten auf einen Facharzttermin als Problem empfinden. Der Anteil derjenigen, die aus eigener Sicht nicht zu lange auf einen Termin warten mussten, ist in den letzten Jahren konstant geblieben und liegt regelmäßig bei rund 80 Prozent.

Aus Sicht der niedergelassenen Ärzte und Psychotherapeuten stellt die Politik mit dem neuen Versorgungsstärkungsgesetz die wohnortnahe, ambulante Versorgung durch freiberuflich tätige Ärzte in Frage. Dabei sind die Vorteile für Patienten unstrittig: Eine langfristige, persönliche und qualitätsgesicherte Betreuung durch erfahrene Haus- und Fachärzte. 

Fehlende Unterstützung von Praxisabgaben
Die Zufriedenheit der Patienten ist hoch, nur jeder zehnte Patient hat im vergangenen Jahr aus Unzufriedenheit seinen Arzt gewechselt. Genau diese langfristige, persönliche und vertrauensvolle Beziehung leisten Ärzte nach einer erfolgreichen Praxisübergabe, die neben Arztpraxis Neugründungen viel eher gestärkt werden sollte als zentrale Terminvergaestellen.

Ratgeber & Broschüren

Standortanalyse & Geomarketing

Weitere Praxisbörsen Services