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Zahl der Praxisübernahmen soll nicht künstlich erhöht werden

Weniger Arbeitsbelastung, bessere Work-Life Balance und mehr Geld für zukünftige Hausärzte.

Kim Björn Becker
18.04.2015

Unter Medizinstudenten gehen die Meinungen in der Frage, wie wichtig die Abiturnote sein soll, weit auseinander. In einer Befragung der Ärztegewerkschaft Hartmannbund entschieden 48 Prozent der Medizinstudenten, dass die Note auch weiterhin eine zentrale Rolle im Zulassungsverfahren haben soll, 45 Prozent sahen das jedoch anders. Bewährt hat sich das bisherige System der Studienplatzvergabe hingegen nach Ansicht des Medizinischen Fakultätentags nicht, da zu wenige approbierte Ärzte eine Landarztpraxis übernehmen.


Steigerung der Praxisübernahmen durch Änderungen des Zulassungsverfahrens zum Medizinstudium?

Der Hartmannbund ist dafür, die Wartezeitquote abzusenken, da dort der Studienerfolg nachweislich geringer sei als bei jenen Studenten, die nur über die Abiturquote oder die Zulassungsverfahren der Universitäten einen Platz erhalten haben. Ohnehin halten es die deutschen Unikliniken sowie die medizinischen Fakultäten laut einer gemeinsamen Stellungnahme für nicht zielführend, die Zahl der Praxisübernahmen und damit die Zahl der Landärzte durch Eingriffe in die Zulassungsverfahren erhöhen zu wollen.

Es handele sich bei dem Arztpraxis Mangel auf dem Land um ein Verteilungsproblem, so dass ein vermehrter Praxiskauf nur durch eine Steigerung der Attraktivität des Berufes lösbar erscheint. Ein zweiter Ansatz, um die Zahl der späteren potentiellen Praxisübernahmen und Arztpraxis Neugründungen schon im Studium möglichst zu erhöhen, besteht in einer Aufwertung des Faches Allgemeinmedizin. Derzeit gibt es mehr als 30 Fachgebiete, von der Anästhesiologie bis zur Urologie, nur die Allgemeinmedizin wird nicht an an allen Universitäten gelehrt.

Allgemeinmedizin als vernachlässigtes medizinisches Fachgebiet
Immer wieder berichten Medizinstudenten jedoch davon, dass gerade die Allgemeinmedizin von Vertretern anderer Fachteile als vergleichsweise öde und anspruchslos dargestellt werde. Hier die Chirurgen, die komplizierte Operationen durchführen, dort die Allgemeinmediziner, die höchstens mal eine Spritze setzen dürfen.

Doch es geht in der Frage nicht allein um das Image. In der Vergangenheit spielte die Allgemeinmedizin an vielen medizinischen Fakultäten quasi keine Rolle, das hat sich in der Zwischenzeit auf jeden Fall schon deutlich verbessert. Trotzdem ist es immer noch ein untragbarer Zustand, dass die Allgemeinmedizin als das wichtigste Fach der Primärversorgung und grundlegend für die zukünftigen Praxisnachfolger noch nicht an jeder medizinischen Fakultät mit einem eigenen Lehrstuhl vertreten ist.

Allgemeinmedizin unzureichend vertreten
Dass die Allgemeinmedizin vergleichsweise schwach vertreten ist, hat historische Gründe. Seitdem Medizin an Universitäten gelehrt wird, besteht der klassische Fächerkanon stets aus Anatomie, Chirurgie und Innerer Medizin. Vor allem die Anatomie, also die Lehre vom Aufbau des menschlichen Körpers, prägt das Bild von angehenden Ärzten bis heute.

Gleichwohl ist die Forderung, mehr Lehrstühle für Allgemeinmedizin einzurichten, derzeit recht populär. Auch nach Ansicht der Bundesärztekammer kann die Allgemeinmedizin am ehesten aufgewertet werden, indem an jeder Universität mit einer medizinischen Fakultät ein eigener Lehrstuhl besteht.

Gleich zu Beginn sollten Studenten an eine Niederlassung und an die Tätigkeit als Hausarzt und den damit verbundenen späteren Arztpraxis Kauf herangeführt werden. Ob dieser Schritt letztlich auch dazu führt, dass zukünftige Ärzte nach dem Abschluss des Studiums eine entsprechende Praxisübernahme tätigen, ist indes völlig offen. Gleiches gilt für den Vorschlag, die Allgemeinmedizin zum Pflichtteil im Rahmen des Praktischen Jahrs PJ zu machen.

Tertial Allgemeinmedizin für mehr Praxisübergaben
Derzeit besteht das PJ aus drei gleich großen Teilen, davon sind die Chirurgie sowie die Innere Medizin in der Regel Pflicht. Der dritte Teil kann von den Studenten frei gewählt werden. Laut der Befragung des Hartmannbunds können sich derzeit nur etwas mehr als sechs Prozent aller Studenten vorstellen, später eine Arztpraxis zu kaufen.

Den Vorschlag, das Fach Allgemeinmedizin zur Pflichtstation im Praktischen Jahr zu machen, sehen viele kritisch. Eine höhere Attraktivität zur Allgemeinmedizin und damit zu einem gesteigerten Praxisverkauf lässt sich nach Meinung der Landarztbörse nur durch bessere berufliche Rahmenbedingungen für niedergelassenen junge Ärzte erreichen.

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