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Ärzteangebot und die Anzahl der zukünftigen Praxisabgaben

Demographische und epidemiologischer Entwicklungen der Ärztedichte in Deutschland und ihre Auswirkung auf die Praxisübergaben

Prof. Manfred Wildner
21.09.2015

Der objektivierbare Bedarf an hausärztlicher und fachärztlichen medizinischer Leistungen wird absehbar auf Grund demographischer und epidemiologischer Entwicklungen in Deutschland wie in allen entwickelten Marktwirtschaften hoch bleiben. Zudem wird die Zunahme des Machbaren wie des Gewünschten Auswirkungen auf die Nachfrage nach Ärzten und die korrespondierende Anzahl von Praxisübernahmen haben.


Wie ist dem gegenüber die Entwicklung der Ärztezahlen auf der Praxisabgaben zu bewerten? Seit vielen Jahren steigt jährlich die Zahl der ausgebildeten Ärztinnen und Ärzte um knapp zwei Prozent. Fast eine halbe Million Ärztinnen und Ärzte sind in Deutschland gemeldet. Von diesen Ärzten sind drei Viertel berufstätig, deutlich über 300.000. Etwa jeder zehnte Arzt kommt aus dem Ausland, zumeist aus Ländern innerhalb Europas.

Demographische Veränderungen der Praxisübernehmer
Innerhalb der Ärzteschaft ist eine bemerkenswerte demographische Veränderung zu verzeichnen. Eine steigende Anzahl von Ärztinnen. Diese haben derzeit einen Anteil von knapp der Hälfte an der Gesamtzahl berufstätiger Ärzte, bei den Medizinstudenten sind dagegen zwei von drei weiblich. Bei der Form der Berufsausübung finden sich Ärztinnen vermehrt in Teilzeit.

Auch bei jüngeren männlichen Ärzten der Generation Y, die nach 1980 geboren sind, ist die eff ektiv eingebrachte Arbeitszeit gegenüber früheren Jahrgängen reduziert. Hinzu kommt, dass diese personellen Kapazitäten zwischen Arztpraxen und Krankenhäusern zunehmend ungleich verteilt sind.

Verglichen mit früher bleibt ein größerer Anteil der Ärztinnen und Ärzte weiterhin im Krankenhaus angestellt tätig, auch wenn der Facharzt erworben ist. Dies ist verbunden mit einem relativen Rückgang der Facharztqualifikationen in der Allgemeinmedizin als Vorbereitung auf eine hausärztliche Tätigkeit. Die Anzahl potentieller Ärzte, die für eine Praxisübernahme in Zukunft bereit stehen, dürfte also eher abnehmen.

Ärztliches Anstellungsverhältnis und Work-Life-Balance
Insbesondere Ärztinnen streben zudem bei einem Wechsel in die Arztpraxis oft eine angestellte Tätigkeit an, nicht die Selbstständigkeit mit dem verbundenen Praxiskauf. Das Saldo an verfügbaren Ärztinnen und Ärzten ist im ambulanten Sektor von Jahr zu Jahr jedoch noch immer positiv. Allerdings erklärt das Gesagte das Paradox von insgesamt steigenden Ärzte zahlen bei gleichzeitig sinkender verfügbarer ärztlicher Arbeitskapazität bei der Praxisübergabe.

Die steigende Ärztezahl im stationären Sektor ist auch die notwendige Folge einer Leistungsverdichtung, die in Deutschland zu von Jahr zu Jahr höheren Zahlen an Krankenhaus Behandlungsfällen trotz sinkender Bettenzahlen geführt hat. Möglich wurde dies durch verkürzte Liegezeiten im Krankenhaus. Bei insgesamt steigendem Personalbedarf im stationären Sektor und vielfachen Zulassungssperren in den kassenärztlichen Versorgungsgebieten klettert auch der Anteil älterer Ärzte in den Krankenhäusern nach oben.

Zeitpunkt der Praxisgründung
Erfolgt dann die Niederlassung in der Arztpraxis zu einem späteren Zeitpunkt, hebt sich in der Konsequenz das Durchschnittsalter in der ambulanten Versorgung. Damit verkürzt sich naturgemäß die Verfügbarkeit dieser Ärzte in der ambulanten Versorgung bis zum Eintritt in die Rente, was zu einer Höheren Anzahl an Praxisübergaben führen wird.

Dies sind zunächst nüchtern erwerbsbiographisch erklärbare Phänomene. In einem System kommunizierender Röhren dürfte sich ein freiwerdender Kassenarztsitz im ambulanten Sektor rasch wieder besetzen lassen, wenn er denn attraktiv ist. Dies ist im ländlichen Regionen nicht immer der Fall.

Junge Ärzte arbeiten lieber in der Stadt
Die Kassenärztlichen Vereinigungen und die Ärztekammern weisen mahnend auf unbesetzte Kassenarztsitze insbesondere in ländlichen Regionen hin. Die Ersatzkassen beklagen, dass in bestimmten strukturschwachen Regionen knapp 1000 Ärzte fehlen. Diesen unbesetzten Kassenarztsitzen stehen jedoch gleichzeitig etwa 25000 nach dem Bedarfsplan überzählige Ärzte in den attraktiven und damit überversorgten Regionen gegenüber.

Lässt sich aus diesen Gegebenheiten die Notwendigkeit steigender Ausbildungskapazitäten in der Humanmedizin ableiten, gar ein absehbarer allgemeiner Ärztemangel? Der Medizinische Fakultätentag äußert sich hierzu dezidiert ablehnend. Von ihm wurde eine Sonderauswertung des Statistischen Bundesamtes zu Absolventenzahlen des Medizinstudiums veranlasst.

Diese belegt deutliche Ausbildungssteigerungen der Medizinischen Fakultäten in den letzten Jahren und Höchstzahlen beim Nachwuchs junger Ärzte. Ganz überwiegend will der zukünftige Arzt auch klinisch tätig werden, 19 von 20 Absolventen äußern sich entsprechend.

Arztpraxis Unterversorgung auf dem Land
Die Quote von 90 Prozent erfolgreichen Studienabschlüssen in der Humanmedizin ist zudem eine Bestnote verglichen mit dem bundesweiten Durchschnittswert von nur drei Vierteln bei allen anderen Studiengängen. Ein vom Bundesgesundheitsministerium in Auftrag gegebenes Gutachten (Ramboll-Gutachten) stellt auch fest, dass unter jenen, die in verschiedene Führungfunktionen und Managementfunktionen im Gesundheitswesen wechseln, über die Hälfte die klinische Tätigkeit erst nach der fachärztlichen Weiterbildung aufgeben.

Studien, die sich mit den genannten Daten nicht decken, sollten wegen wahrscheinlicher methodischer Mängel mit Zurückhaltung aufgenommen werden. Es ist also eine differenzierte Diskussion in der Frage nach einem Ärztemangel notwendig.

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